Ein Interview mit Gerlinde Simon, der Leiterin des MAN Museums

Der erste Dieselmotor, frühe Druckmaschinen und über 1,5 Millionen historische Dokumente - seit vielen Jahren ist Gerlinde Simon Leiterin des MAN Museums und des Historischen Archivs in Augsburg

Gerlinde Simon

Seit wann gibt es das MAN-Museum in Augsburg?

Das Museum wurde 1953 mit Großdieselmotoren und Druckmaschinen eröffnet. Mittlerweile findet sich hier das gesamte Produktspektrum der MAN Gruppe sowie der manroland web systems GmbH wieder. Heute ist das Museum ein Gemeinschaftsprojekt von MAN Diesel & Turbo SE und MAN SE. 

Wozu ein MAN-Museum?

Unser Ziel ist es, die lange Tradition und Erfahrung im Dieselmotoren- und Nutzfahrzeugbau sowie in der Druckmaschinenfertigung zu vermitteln. In der Geschichte von MAN und manroland spiegelt sich schließlich auch die Industriegeschichte Deutschlands.

Was ist Ihre Aufgabe als Museumsleiterin?

Meine Aufgabe ist die Koordination des gesamten Museums- und Archivgeschehens. Dazu gehört das Sichten, Bewerten und Präsentieren von Exponaten, die uns angeboten werden. Gleiches gilt für historische Dokumente wie Texte, Fotos oder Filme. Über 1,5 Millionen befinden sich in unserem Archiv. Der wesentliche Bestandteil meiner Arbeit ist es, diese Sammlungen intern wie extern im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit nutzbar zu machen.

Was ist das Lieblingsstück der Besucher?

Viele Gäste kommen wegen des ersten Dieselmotors. Aber auch unsere Zeitungsdruckmaschinen, die Antriebstechnik oder die frühere Raumfahrttechnik beeindrucken unsere Besucher.

Wer kommt denn alles zu Ihnen?

Gerlinde Simon: Wir haben ein ganz unterschiedliches Publikum: unsere Kunden, neue Mitarbeiter, Journalisten, Historiker. Darüber hinaus besuchen uns Vereine, Studenten und natürlich viele Schulklassen.

Sind die Führungen immer gleich oder passen Sie diese den Besuchern und ihren Wünschen an?

Bei ganz jungen Besucher gilt es besonders, die komplexe Technik von Dieselmotoren oder Druckmaschinen einfach und verständlich zu vermitteln. Unserem Fachpublikum müssen wir das Viertaktprinzip oder die verschiedenen Druckverfahren nicht erklären.

Und wen zieht es in Ihr Archiv?

Beispielsweise werden von uns Mitarbeiter der MAN Gruppe sowie manroland, die für historische Beiträge Material benötigen oder nach Informationen für Jubiläen suchen, versorgt. Aber auch Journalisten und Wissenschaftler, Schüler und Studenten recherchieren hier bei uns.

Was können Sie ihnen bieten?

Einerseits Folianten wie Verkaufs- und Arbeiterbücher, Urkunden – etwa die Original-Patenturkunde von 1893 von Rudolf Diesel. Andererseits aber auch Geschäftsberichte der Unternehmen, Korrespondenzen und Nachlässe von Vorständen, Broschüren und technische Dokumentationen zu den Produkten sowie Bild- und Filmmaterial.