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Der Siegeszug des Selbstzünders 

Der Mann, der die Welt in Fahrt brachte: Rudolf Diesel. Mit der Unterstützung von MAN begann der Siegeszug des Selbstzünders.

Kann man Dampfmaschinen konstruieren, die den vollkommenen Kreisprozess ausführen, ohne zu kompliziert zu sein? Diese Frage stellte sich Rudolf Diesel im Alter von 20 Jahren, als er noch das Ingenieurstudium absolvierte. Dampfmaschinen gaben im 19. Jahrhundert den Takt der Industrialisierung vor, sie wurden zum Beispiel auch in Eisenbahnen eingesetzt. Die Maschinenfabrik Augsburg war einer der großen Dampfmaschinenhersteller Europas.

Der richtige Ort für die Erfindung

Rudolf Diesel schrieb im Jahr 1892 an die Direktion der MAN. Er ersuchte um die Unterstützung zum Bau eines neuen, von ihm konzipierten Motors. Seine Idee war es, im Zylinder des Motors Luft zu verdichten. Der Kraftstoff würde erst anschließend zugeführt, um ihn durch die Verdichtungshitze zur Selbstentzündung zu bringen. Mit diesem Verfahren sollte ein höherer Wirkungsgrad und damit ein geringerer Kraftstoffverbrauch erreicht werden als bei allen bisherigen Antriebsmaschinen und Motoren.

Kurz vor seinem Schreiben an MAN hatte Diesel seinen „Wärmemotor“ zum Patent angemeldet, welches ihm im Februar 1893 erteilt wurde. Heinrich von Buz, damals Direktor der MAN, erteilte Diesel erst einmal eine Absage. Diesel reichte neue Berechnungen ein. Am 20. April 1892 erklärte sich von Buz dann bereit, auf unverbindlicher Grundlage und in kleinen Schritten einen Versuchsmotor zu bauen. Er erkannte, dass es sich lohnen würde, die Idee eines solchen Motors weiter zu verfolgen und in die Entwicklung zu investieren.  

1893 VersuchsdieselDie zündende Idee

Der Start war nicht leicht. Diesel hatte immer wieder mit Fehlschlägen zu kämpfen. So musste erst einmal der geeignete Kraftstoff gefunden werden. Versuche gab es unter anderem mit gasförmigen Ammoniak und festem Kohlenstoff.

Der 10. August 1893 sollte den Mitarbeitern in der Maschinenfabrik Augsburg zeitlebens in Erinnerung bleiben. An jenem Tag setzte Rudolf Diesel erstmals einen von ihm erfundenen Motorzylinder in Gang. Als das Petroleum im heißen Inneren des Kolbens explodiert, ertönte ein ohrenbetäubender Knall. Scheiben klirrten. Teile des Messgeräts flogen durch die Luft - doch die Maschine blieb heil.

Es sollte noch vier Jahre dauern, bis der Dieselmotor richtig zum Laufen kam. Er leistete ganze 20 PS, der Wirkungsgrad war mit 26 Prozent etwa doppelt so hoch wie der von Dampfmaschinen. Und: Er kam mit damals günstigen Brennstoffen wie Schwer- und Heizöl aus. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht rund um den Globus.

Der Dieselmotor erobert die Welt

Vom ersten Lauf an nahm die Dieseltechnologie enorme Fahrt auf. Von 1898 bis 1900 lieferte MAN 16 Dieselmotoren mit einer Leistung von 580 PS. Der Dieselmotor verbreitete sich letztendlich weltweit. Er wurde in stationären Anlagen und ab 1903 auch als Schiffsantrieb eingesetzt und ist bis heute die wirtschaftlichste Wärmekraftmaschine. Diesel äußerte wie folgt seine Visionen zum Thema Kraftstoffe der Zukunft: „Der Gebrauch von Pflanzenöl als Kraftstoff mag heute unbedeutend sein. Aber derartige Produkte können im Laufe der Zeit ebenso wichtig werden wie Petroleum und die Kohle-Teer-Produkte von heute.“

Diesels zündende Idee sollte die Welt verändern. Anfang der 1920er Jahre erfuhr das mobile Zeitalter durch den Selbstzünder eine maßgebliche Beschleunigung. 

Heute

Heute treiben die auf seiner Erfindung basierenden Motoren Lastwagen, Busse, Familienautos, Schiffe und Stromaggregate an. Dieselmotoren waren und sind immer wieder Innovationstreiber – zum Beispiel, wenn sie die riesigen modernen Containerschiffe antreiben, die mit Kapazitäten von über 19.000 Standard-Containern alle Größenrekorde brechen. 1897 lief Rudolf Diesels erster Motor mit 20 PS, heute leistet der stärkste Dieselmotor von MAN über 110.000 PS.