Prueffeld 1899

Zuerst die Theorie

1880 wurde Rudolf Diesel zum Leiter der französischen Niederlassung des Kühlmaschinenunternehmens von Professor Carl von Linde ernannt. Nebenbei arbeitete er zunächst an verschiedenen Kälteverfahren und baute in eigener Initiative einen Ammoniakmotor, der zwar zum Laufen kam, aber die Erwartungen nicht erfüllte. Schließlich kam er auf den Gedanken, dass bei Verbrennungskraftmaschinen eine höhere Verdichtung zu einer besseren Wärmeausnutzung und zur Einsparung von Kraftstoff führen müsste.

Die zündende Idee 

Ab 1890 leitete er das Technische Büro des Unternehmens in Berlin. Er verfolgte diesen Gedanken dort weiter und beantragte schließlich ein Patent für seine "zündenden" Idee der rationellen Wärmekraftmaschine.

Außergewöhnlich an Diesels Vorgehensweise war, dass seine ersten Überlegungen rein auf theoretischen Zahlen und Fakten beruhten. Auf der Suche nach der idealen Umsetzung des Carnot'schen Prozesses übersah er dabei, dass seine Zeichnungen nicht mit dem damaligen Stand der Technik umsetzbar waren. Deshalb lehnte Heinrich von Buz, Direktor der Maschinenfabrik Augsburg, anfangs auch Diesels Antrag ab.

Buz und Diesel 

Diesel musste seine Entwürfe noch einmal überarbeiten und schrieb schließlich an Heinrich von Buz, "dass in einer Abweichung vom Idealprozess die Möglichkeit läge, Motoren zu konstruieren, die auch mit den heutigen Mitteln zu bauen seien." Daraufhin stand einer Zusammenarbeit zwischen Buz und Diesel nichts mehr im Weg.

Die erste Versuche in Augsburg

Am 23. Februar 1893 erhielt Rudolf Diesel die Patenturkunde Nr. 67207 mit dem Titel "Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen“.

Fast gleichzeitig schloss er den Vertrag zum Bau einer Versuchsmaschine mit der Maschinenfabrik Augsburg ab. Buz konnte auch die Firma Friedrich Krupp davon überzeugen, dass sie sich den Forschungen an dem neuartigen Motor anschlossen. Das Labor wurde in der Maschinenfabrik Augsburg eingerichtet. In den kommenden Jahren widmete sich Rudolf Diesel ausschließlich der Realisierung seines Motors. 

Am Rande der Verzweiflung

Für die Versuchsphase wurden mehrere Jahre benötigt. Immer wieder traten neue Probleme auf, sodass bis 1897 insgesamt sechs Versuchsreihen durchgeführt werden mussten. Immer wieder war der Erfinder der Verzweiflung nahe, doch Heinrich von Buz stand Rudolf Diesel die ganze Zeit zur Seite und unterstützte ihn trotz der vielen Rückschläge.

Der offizielle Abnahmeversuch

Am 17. Februar 1897 führte Professor Moritz Schröter von der TH München den offiziellen Abnahmeversuch am Motor durch und konnte einen Wirkungsgrad von 26,2 % feststellen. Ein derart hoher Wert war bisher noch von keiner Maschine erreicht worden.