1854-Glaspalast

Ein riesiges Glashaus 

Das wohl bekannteste Münchner Bauwerk im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Glaspalast. Dabei handelte es sich um ein riesiges Glashaus mit eisernem Tragwerk. Etwas Außergewöhnliches für die damalige Zeit! Der Palast war der erste Vertreter einer neuen Baukunst im anbrechenden Technik-Zeitalter. MAN nahm die Herausforderung dieses Auftrags an.

Kurze Bauzeit – für MAN kein Problem

1854 - Glaspalast Außenansicht

Dieses bis dahin einmalige Gebäude wurde innerhalb von nur neun Monaten errichtet, nachdem König Maximilian II. es 1853 in Auftrag gegeben hatte. Er wollte eine „zollvereinsinländische Ausstellung“ in München durchführen. Nur gab es in der ganzen Stadt dafür kein geeignetes Gebäude; deshalb beschloss man einen Neubau. Dieses sollte am „Botanischen Garten“ errichtet werden. Der Platz liegt heute zwischen Sophienstraße und Elisenstraße nahe dem Hauptbahnhof.

 

Glas und Eisen

Aufgrund der kurzen Bauzeit entschied man sich für eine Konstruktion aus Glas und Eisen, die der königliche Oberbaurat August Voit vorlegte. Vorbild war der Londoner Kristallpalast, der ebenfalls in kürzester Zeit erstellt worden war. Die Abmessungen des Gebäudes betrugen 800 Fuß Länge (234 m) und eine maximale Breite von 280 Fuß (84 m).

Eine Herausforderung der Planung

Im August 1853 unterzeichnete die Firma Cramer-Klett aus Nürnberg (eine der Vorgängerfirmen unseres Unternehmens) den Vertrag zur Errichtung dieses „Palastes“ unter Androhung einer hohen Konventionalstrafe, sollte das Gebäude nicht bis zum 8. Juni 1854 fertig gestellt sein. Der damals hoch motivierte Cramer’sche Fabrikdirigent Ludwig Werder nahm die Herausforderung an. Die Höchstleistung war nur möglich, weil Werder die Baudurchführung bis ins Letzte durchdachte und mit genauen Konstruktionszeichnungen festlegte. Zeitsparend waren die nach seiner Idee vorgefertigten, baugleichen und miteinander verschraubbaren Elemente aus Guss- und Schmiedeeisen und Eichenholz. Es waren diese tragenden Säulen, Sprengwerke und Gitter sowie Fassaden-Elemente, die am fertigen Palast eine interessante Feingliedrigkeit und Architektur bewirkten.

Im Ganzen wurden 27 151 Zentner (1 350 t) Gusseisen und 3 135 Zentner (157 t) Schmiedeeisen verbraucht. Die Außenhaut bestand aus 19 150 Quadratmetern Glas. Die Gesamtbaukosten betrugen 887 000 Gulden, das entspricht heute einem Geldwert von etwa 170 Millionen Euro.

Ein Prachtbau wird eingeweiht

1854 Glaspalast InnenansichtEnde Mai 1854 teilte Klett bei einem persönlichen Besuch im Ministerium mit, dass das Ausstellungsgebäude entsprechend dem Vertrag am 8. Juni übergeben werden könne. Am 15. Juli wurde der Glaspalast von König Max II. eröffnet. Vor 90 000 Einwohnern und tausenden von Gästen fanden die Feierlichkeiten statt, mit denen gleichzeitig die Ausstellung „Erste Allgemeine Deutsche Industrie-Ausstellung“ eingeweiht wurde. Die Besucher staunten und waren begeistert von diesem modernen, imposanten und feingliedrigen Bauwerk, das von nun an für Großveranstaltungen genutzt wurde. Am gleichen Tag zeichnete Max II. die Firma Cramer Klett eigenhändig durch Verleihung des Verdienstordens der Bayerischen Krone für diese hervorragende Leistung aus.

Ab diesem Zeitpunkt kamen jeden Sommer viele Besucher aus allen Ländern, um die dort veranstalteten internationalen Kunstausstellungen zu besichtigen.

Das damals in Deutschland einzigartige Bauwerk machte nicht nur die Nürnberger Fabrik – das heutige Werk Nürnberg der MAN – in aller Welt bekannt, sondern bedeutete auch ein Ruhmesblatt für die gesamte deutsche Industrie.

Ende des Glaspalasts

Sein tragisches Ende fand der Glaspalast am 6. Juni 1931, als er in einem großen Feuer vollständig abbrannte. Die Brandursache wurde nie geklärt. Mit dem Gebäude verbrannten auch kostbare Kunstschätze, die dort ausgestellt waren. Heute weist nur noch eine Tafel am Anfang des „Alten Botanischen Gartens“ auf das damals wohl bekannteste Münchner Bauwerk hin.