1897-Müngstener-Bruecke-Blick
Sie ist längst nicht so bekannt wie der Eiffelturm, aber ebenfalls aus Eisen und ähnlich imposant: Die Müngstener Brücke im Bergischen Land.

Bis heute die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands 

Die Müngstener Brücke überragt mit einer Höhe von 107 Metern noch heute alle anderen Eisenbahnbrücken Deutschlands. Sie führt über das Tal der Wupper und verkürzt die Fahr­zeit zwischen den benachbarten Städten Remscheid und Solingen ganz erheblich. 1894 begannen Mitarbeiter der MAN-Vorläuferfirma Maschinenbau-Actien-Gesellschaft Nürnberg mit der Konstruktion. Als erste Brücke in Deutschland wurde sie im so genannten Freivorbau errichtet: Von beiden Seiten aus bewegten sich die Brückenteile Meter für Meter aufeinander zu, bis sie sich am Rosenmontag des Jahres 1897 berührten.

Spatenstich am 26. Februar 1894

Mit dem Brückenbau beauftragt wurde die Maschinenbau AG Nürnberg (heute MAN). In beispielhafter Kooperation zwischen ihr und der Eisenbahndirektion Elberfeld wurde die technische Herausforderung angenommen. Die Reihe der maßgeblich tätigen Ingenieure auf der Gedenktafel beweist, wie sehr der gesamte Brückenbau Teamarbeit war. Der erste Spatenstich erfolgte am 26. Februar 1894.

Aufwändiges Bauvorhaben

Über eine 30 Meter hohe Transportbrücke wurden gewaltige Materialmengen herangebracht: 27 500 Tonnen Baustoffe für die Fundamente, Hilfskonstruktionen, Kräne, Leitern und vormontierte Brückenteile. Nach drei Jahren Bauzeit schloss sich mit dem Einsetzen des 15 Meter breiten Scheitelstückes der charakteristische Rundbogen. In einer Weite von 170 Metern überspannt er das Wuppertal, 107 Meter hoch über dem Wasserspiegel. Nach weiteren vier Monaten, im Juli 1897, war die Brücke mit den Gleisanschlüssen fertig.

Einweihung am 15. Juli 1897

Federführend beim Bau war der Ingenieur und MAN-Vorstand Anton von Rieppel (1852–1926). Für seine Meisterleistung erhielt er den preußischen Kronenorden dritter Klasse. Davor lagen jedoch drei Jahre harter Arbeit für alle Beteiligten. Ihre Feuertaufe bestand die Brücke, als am 3. Juli 1897 die erste Dampflok über die 494 Meter lange Konstruktion schnaufte. Sie hielt – die Statiker hatten sich nicht verrechnet. Nach der Einweihung am 15. Juli 1897 durch Prinz Leopold von Preußen erhielt das Bauwerk den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke.

In 14 Minuten von Remscheid nach Solingen

Insgesamt stecken in der Müngstener Brücke rund 5 000 Tonnen Eisen und Stahl. Mehr als ein Jahrhundert und zwei Weltkriege überstand die Konstruktion so gut wie unbeschädigt. Rund zwei Millionen Züge überquerten auf ihr bisher das Tal. Doch mehr als Tempo 80 verträgt die alte Dame heute nicht. Dennoch ist sie nach wie vor im Dienst: Täglich rattern bis zu 40 Züge über das Bauwerk, um in 14 Minuten Fahrzeit von Remscheid nach Solingen zu gelangen.